Eine kritische Bestandsaufnahme mit Beispielen aus Tourismus, Politik und Alltag

Während einige Destinationen im Sommer 2025 von Besucherströmen überrannt werden, kämpfen andere mit rückläufigen Zahlen, wachsender Skepsis oder offenem Unmut der Bevölkerung. Diese Reportage beleuchtet Länder, die im laufenden Jahr aus unterschiedlichen Gründen an touristischer Attraktivität verloren haben – sei es durch politische Instabilität, Preissteigerungen, Sicherheitsprobleme oder eine gezielte Abkehr vom Massentourismus.
Spanien – Zwischen Preisexplosion und Tourismusfrust
Spanien bleibt zwar auf dem Papier eines der beliebtesten Urlaubsländer Europas, doch in vielen Regionen schlägt die Stimmung um. Besonders auf den Balearen und in Barcelona formiert sich massiver Widerstand gegen die Touristenschwemme: „Tourists go home“ steht auf Transparenten, Wohnungen werden kaum noch für Einheimische bezahlbar, Infrastruktur ächzt unter der Belastung.
Zugleich ist Spanien 2025 spürbar teurer geworden. Laut einem Vergleich des ADAC gehören Palma, Málaga und Ibiza zu den kostspieligsten Städten für Hotel und Gastronomie. Die Folge: Erste Rückgänge bei Individualreisenden und vermehrte Reiseabbrüche – ein Warnsignal für den Hochglanz-Tourismus der Vor-Corona-Jahre.
Gründe für den Rückgang:
- Überfüllte Hotspots, fehlende Regulierung
- Steigende Preise für Unterkünfte und Verpflegung
- Lokale Proteste und Ablehnung der Touristenmassen
Thailand – Ein Imageverlust durch Überforderung
Thailand erlebt 2025 einen Einbruch, vor allem aus dem chinesischen Markt (–33 % Besucher im ersten Halbjahr). Doch auch westliche Individualreisende berichten zunehmend kritisch: über Zwei-Klassen-Preise, fehlende Sicherheit bei Ausflügen, Betrugsfälle im Tourismus, aber auch über den ethischen Umgang mit Tieren in Touristenattraktionen.
Hinzu kommt ein wachsendes Misstrauen gegenüber der politischen Stabilität im Land. Auch wenn Inseln wie Ko Lanta oder Chiang Mai weiterhin beliebt sind, verliert das Land an Vertrauen als „sorgloses Tropenziel“.
Gründe für den Rückgang:
- Sicherheitsbedenken, insbesondere bei Solo-Reisenden
- Touristische Abzocke, Doppeltarife für Ausländer
- Zunehmende Überfüllung beliebter Spots
Kuba – Zwischen Romantik und Realität
Kuba bleibt für viele ein Sehnsuchtsort – karibisch, historisch, rhythmisch. Doch 2025 ist das Land von tiefgreifender Versorgungskrise betroffen: Stromausfälle, Kraftstoffmangel, geschlossene Läden. Die Reiselogistik leidet – Flüge werden gestrichen, Hotels sind nicht durchgehend versorgt, Kreditkarten werden vielerorts nicht akzeptiert. Was als „authentisches Abenteuer“ vermarktet wird, ist für viele schlicht unzumutbar geworden.
Gründe für den Rückgang:
- Versorgungsengpässe im ganzen Land
- Einschränkungen bei Mobilität und Zahlungsmitteln
- Unzuverlässigkeit touristischer Infrastruktur
USA – Politik als Reisehindernis
Die USA verlieren 2025 spürbar an touristischem Zuspruch – weniger aus infrastrukturellen Gründen, sondern aufgrund politischer Polarisierung und gesellschaftlicher Spannungen. In Kanada und Teilen Europas ist ein aktiver Boykott in Teilen der Kulturszene und unter jüngeren Reisenden feststellbar. Themen wie Abtreibungsrecht, Waffengewalt oder Einreisehürden beeinflussen die Reiseentscheidung zunehmend politisch.
Zudem schrecken hohe Lebenshaltungskosten (z. B. Hotelpreise in New York oder San Francisco) sowie restriktive Visa-Bedingungen immer mehr Gelegenheitsreisende ab.
Gründe für den Rückgang:
- Politisch motivierte Reisevermeidung (Boykott)
- Wachsende soziale Spannungen, Gewaltdebatte
- Hohe Nebenkosten und bürokratische Hürden
Tuvalu und die vergessenen Länder
Abseits der großen Namen fristen einige Länder ein Schattendasein im internationalen Tourismus. Tuvalu – einer der kleinsten Inselstaaten der Welt – zählte 2024 kaum 4.000 internationale Besucher. Auch Moldawien, Kiribati oder Südsudan gehören zu den am wenigsten bereisten Nationen. Oft liegt dies nicht an mangelnder Attraktivität, sondern an fehlender Infrastruktur, politischer Instabilität oder schlicht schwerer Erreichbarkeit.
Gründe für geringe Besucherzahlen:
- Keine Direktflüge, lange Anreise
- Geringe internationale Bekanntheit
- Teilweise instabile politische oder klimatische Lage
Wenn Reiselust zur Zögerlichkeit wird
Die unbeliebtesten Reiseländer 2025 zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie komplex die touristische Landkarte geworden ist. Während manche Destinationen unter ihrem eigenen Erfolg ächzen (Spanien, Thailand), scheitern andere an inneren Krisen (Kuba) oder verlieren den Rückhalt durch politische Faktoren (USA).
Gleichzeitig öffnen sich Chancen für neue Reiseformen: Slow Travel, regionale Mikroziele oder bewussteres Unterwegssein rücken in den Fokus. Was früher selbstverständlich war, muss heute neu bewertet werden – im Spannungsfeld zwischen Sehnsucht, Sicherheit, Moral und Preis.